Geschichte

Kalligraphie = kalós für schön, gut; aber kállios
= schöner, besser (ursprgl. Altgriech.), graphein
= ritzen, schreiben, zeichnen.
Das erste Alphabet entstand ca. 1200 B.C. in Phönizien. Es wurde im 8. vorchristlichen Jahrhundert von den Griechen übernommen, deren Buchstaben dann die Etrusker und nach ihnen die Römer entlehnten - sicher das wichtigste Ereignis in der Geschichte der abendländischen Schrift -. Alle späteren Schriften entwickelten sich aus dem römischen Ursprung. Das weitere, umfangreiche Wissen über Schriftgeschichte kann in Büchern und im Internet etc. nachgeschlagen werden.

Kultur der Menschheit
Es handelt sich bei Graffiti um eine ganz spezielle Kommunikationsform, die internat. verbreitet ist und rückführbar auf das uralte Zeichen- und Schriftsystem, das man bis in die Antike und die Steinzeit zurückverfolgen kann. Auf dem Medium Wand, dessen sich die Graffiti- Aktivisten bedienen, entstanden die ersten Zeichen und Schriften der Menschheit (s. Photo "Graffiti aus dem 1. Jh.")
Graffiti (Singular: Graffito) ist ein Oberbegriff für viele thematisch und gestalterisch unterschiedliche Erscheinungs- formen. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass es sich um visuell wahrnehmbare Elemente (TAGS) handelt, welche "ungefragt" und meist anonym, von Einzelpersonen oder Gruppen auf fremden bzw. öffentlich befindlichen Oberflächen angebracht werden.

Der Begriff Graffiti leitet sich etymologisch ebenfalls vom griechischen Wort graphein ab.
Im italienischen Sprachraum entwickelte sich aus sgraffiare (= kratzen, das Gekratzte), Sgraffiti bzw. Graffiti. Beide Bezeichnungen standen synonym für eine Technik der Fassadengestaltung, einer Kratzputztechnik, bei welcher verschiedenfarbige Putzschichten aufgetragen und dann durch Wegkratzen der oberen Schicht reliefartige Motive gestaltet werden. Viele dieser Sgraffitohäuser stehen unter Denkmalschutz.
Um 1850 wurde der Begriff Graffiti von Altertumsforschern und Archäologen für inoffizielle, gekratzte Botschaften übernommen, denen sie bei ihren Ausgrabungen begegneten. Bald dominierte aber der "inoffizielle" Charakter einer Botschaft - unabhängig von der technischen Ausführung - die Bedeutung des Begriffs und führte zur heute im wissenschaftlichen Bereich üblichen Anwendung. Seit 1996 gibt es ein Institut für Graffiti-Forschung, das auf dem seit 1978 bestehenden internat. Graffiti- und Street-Art-Archiv basiert (1997 gab es den ersten internat. Graffiti-Kongress).

Graffiti - Street-Art - Stencil-Art
Betrachtet man Graffiti als eigenständige Kommunikationsform, so ist Nähe und Verwandtschaft zu vielen anderen Mitteilungen und Postings gegeben, denen man im öffentlichen Raum begegnet (Sticker, Aufkleber, Kleinplakate, etc.). Formen, die teilweise dem Begriff Street-Art zugerechnet werden. Der heute übliche Begriff Street-Art kommt aus den USA. Gemeinsamkeit aller Street-Art-Varianten ist, dass sie kostenlos zugänglich und außerhalb etablierter Orte der Kunstvermittlung anzutreffen sind. Street-Art-Künstler arbeiten mit unterschiedlichen Techniken und aus individuellen Motiven. Die bekanntesten traditionellen Formen der Street-Art sind Pflaster/Bodenmalerei und Fassadengestaltung. Meist mit gesellschaftskritischen (großen) Wandbildern (murals). Anfang der 1980er Jahre etablierte sich zunehmend in den Städten die Stencil-Art bzw. Stencil-Graffiti.

Bei der Zuordnung zum klassischen Graffiti-Begriff ist und bleibt, dass eine Botschaft "ungefragt" entstanden ist, ohne den Besitzer der Fläche um Erlaubnis zu fragen.

Graffiti allein mit den Begriffen "legal" oder "illegal" zu belegen, würde man der Graffiti-'sprache' nicht gerecht, da viele Graffiti-Formen traditionell zur Kultur der Menschheit gehören und keineswegs unter Strafan- drohung stehen (s. Kommunikation auf Schultischen, Touristeninschriften an Sehenswürdigkeiten, den 'Brauch' Verliebter, ihre Initiale an Bäumen etc. zu hinterlassen).
Ebenso ist die Betonung der vielfältigen Erscheinungs- formen wichtig, weil oft viele unterschiedliche Assoziationen mit dem Begriff verbunden sind.

Eine eigene "Fachsprache" entwickelte sich an den Graffiti der Sprayer- und Writer-Kultur. Zum Beispiel ist ein "piece" zusammengesetzt aus dem "style" = Schrift und einem "character" = figuratives Element.

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